19 Dezember 2015

*Interview, Vorgestellt* Vorgestellt und nachgefragt - mit......

.... dem Hörbuchladen "Audiamo"


Hallo meine lieben Leser,

heute habe ich mal etwas ganz Besonderes. Trotz der starken Internet-Konkurrenz rund um Hörbuch-CDs und -Downloads hat sich der Hörbuchladen aus Wien mit Namen AUDIAMO über die Grenzen Österreichs hinaus etabliert. Seit Ende Mai 2015 ist er nun auch in Berlin- Pankow zu finden. Zu entdecken gibt es auf einer rund 50qm großen Ladenfläche von Audiamo 5000 Hörbücher und Hörspiele auf CD's, LP's und Kassetten für groß und klein. 

Für viele von uns Leseverrückten ist doch ein Hörbuch ebenso Objekt der Begierde wie ein Buch, oder? Aus diesem Grund ist mein heutiger Gast bei „Vorgestellt und nachgefragt“ eben jener Hörbuchladen AUDIAMO – in Person: Gründer und Inhaber Günter Rubik. 

Ihr könnt bei AUDIAMO im Übrigen im Internet bestellen und Euch CDs nach Hause liefern lassen, Ihr könnt digitale Hörbücher downloaden oder – wenn Ihr zufällig in Berlin und Umgebung wohnt – auch direkt im Laden vorbeischauen. Näheres zu der Adresse etc. findet ihr am Ende des Berichts.



Guten Tag Herr Rubik,

erst einmal ganz herzlichen Dank, ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen, um mir ein paar Fragen über AUDIAMO zu beantworten und uns, also Lesern und Hörbuch-Fans, etwas über sich und ihre Idee eines Hörbuchladens zu erzählen.


Wer ist Günter Rubik, Gründer des Hörbuchladens AUDIAMO überhaupt?

Ich bin gebürtiger Österreicher und komme eigentlich aus einem ganz anderen Feld: aus der Informatik. Gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin Monika habe ich aber schon seit Ewigkeiten eine extrem große Vorliebe für Lesungen und Hörspiele, wir engagieren uns zum Beispiel auch im einem gemeinnützigen Verein, der Hörspielgemeinschaft e.V. Irgendwann haben Monika und ich unsere gemeinsame Liebe dann zum gemeinsamen Beruf gemacht und unser Geschäft in Wien eröffnet. Rund 100 Quadratmeter sind es da. In Berlin, wo wir Mitte 2015 unser zweites Geschäft aufgemacht haben, haben wir rund 50 Quadratmeter. In beiden Läden gibt es nicht ein einziges gedrucktes Buch, sondern nur Hörbuch-CDs. Obwohl, wir haben natürlich auch ein paar Kataloge und Magazine rund ums Hörbuch im Laden, das muss ich zugeben. Aber sonst: nur akustische Literatur.

Gibt es etwas, das Günter Rubik besonders mag und was wäre dies?

Ich mag gute Stimmen. Das ist wohl ein Grund für meine Leidenschaft für Hörbücher. Und ich mag Detektivgeschichten wie beispielsweise die Drei ???.

Und was mögen Sie nicht?

Was ich nicht mag – oder was ich zumindest schade finde: Das Hörbuch hat in Deutschland noch nicht den Stellenwert, den es haben sollte. Lesungen sind noch vergleichsweise verbreitet und beliebt, aber vor allem das Hörspiel, also Geschichten, die mit verschiedenen Sprechern und Soundeffekten und Musik arbeiten, sind eine sehr kleine Nische. In Österreich ist die Situation sogar noch schlimmer. Es wäre schön, wenn sich das irgendwann ändert. Die Lesung und das Hörspiel sind einzigartige Kunstformen und kulturell aus meiner Sicht nicht weniger wertvoll als Bücher. Letztendlich kam das Buch ja genau daher: Sehr viel früher wurden Geschichten nur mündlich weitergegeben, sie wurden erzählt.


Herr Rubik, ein wenig haben Sie uns ja nun schon über sich als Gründer verraten, vielen Dank soweit. Nun bin ganz gespannt und neugierig, was genau hinter dem Konzept des Hörbuchladens steckt.

Wie kamen Sie zum Beispiel auf den außergewöhnlichen Namen AUDIAMO?

Wir haben hier zwei Silben vereint, die wir uns aus dem Italienischen geliehen haben. AUDIO heißt „Ton“. AMO heißt „ich liebe“. Das haben wir dann zusammengebaut zu „Ich liebe Töne.“ Italienisch haben wir genommen, weil die Sprache ja auch schon für Leidenschaft und Liebe steht. Wir fanden, dass das gut zusammen passt. Vielen Dank übrigens, wir freuen uns, dass der Name als außergewöhnlich wahrgenommen wird. Das ist ja immer wichtig.

Hörbuchladen Berlin- Pankow 

Wie kommt man dazu, in einer Zeit, in der die großen Publikumsverlag über wegbrechende Absätze klagen, in der es immer mehr Online-Händler gibt und in der immer weniger Menschen Interesse an Literatur zeigen, einen zweiten Hörbuchladen zu eröffnen – und das auch noch in einem anderen Land?

Dass wir nach unserem Laden in Wien nun auch noch eine Präsenz in Berlin haben, hat ganz praktische Gründe. Wir hatten immer schon einen hohen Anteil von Kunden aus Deutschland, die uns als Online-Händler treu waren und sind. Wir mussten oft CDs von deutschen Verlagen nach Österreich schicken lassen, um sie dann wieder an unsere Kunden in Deutschland zurückzuschicken. Von Berlin aus können wir den Versand an deutsche Kunden deutlich effizienter gestalten. Und zum zweiten Teil der Frage – warum in schwierigen Zeiten überhaupt den Schritt eines neuen Ladens wagen: Ich bin der festen Überzeugung, dass man auch in einem harten Umfeld bestehen kann, wenn man mit Leidenschaft bei einer Sache ist und ein gutes Konzept hat. Unser Konzept heißt: Wir sind spezialisiert. Wir haben nicht nur Hörbuch-Bestseller, wie man sie sonst in jedem normalen Buchladen findet. Wir haben jede Menge CDs auf Lager, die im normalen Buchhandel gar keinen Platz finden. Viele Kunden sind dankbar dafür, wenn sie ein breites Angebot vorfinden. Und wenn sie dann auch noch gut beraten werden – erneut von Spezialisten – dann kommen sie auch wieder. Beraten von Menschen, die wie Monika und ich eine gute Lesung und ein gutes Hörspiel zu schätzen wissen. Menschen, die ihre Begeisterung an die Kunden weitergeben.

Eröffnung Berlin- Pankow, Mai'15

Welchen Herausforderungen mussten Sie sich anfangs in Wien stellen und welchen 2015 in Berlin? Sind es dieselben?

Teilweise sind es ähnliche Herausforderungen gewesen. Wir mussten in Wien erst einmal bekannt werden, jetzt müssen wir in Berlin bekannt werden. Wir mussten in beiden Läden am Anfang erst einmal gutes Personal finden, Leute mit Fachkenntnis und der Leidenschaft, die ich angesprochen habe. Aber es sind auch unterschiedliche Punkte. Wir haben viele Abläufe in Wien erprobt, so dass wir das Rad in Berlin nicht mehr neu erfinden mussten. Auch die Bestellsoftware undsoweiter konnten wir übernehmen.

Welche Schwerpunkte setzt der Hörbuchladen? Was zeichnet ihn aus und was ist das Besondere an AUDIAMO?

Wir haben einen größeren Hörspielanteil als die Hörbuchabteilungen im Buchhandel. Oft liegt der Anteil dort nicht einmal bei 20 Prozent, bei uns ist er deutlich höher. Wir haben auch nicht nur Hörspiele für Kinder, sondern darüber hinaus ein großes Angebot für Erwachsene. Es reicht von Thriller über Horror und Fantasy bis zur gehobenen Literatur. Die Lesung, wo eine Stimme die komplette Geschichte erzählt, ist aber auch bei uns häufiger als das Hörspiel, das geht nicht anders. Trotzdem ist es die Verbundenheit zum Hörspiel und das insgesamt sehr breite Produktspektrum, was bei uns das Besondere ist. Zusammen mit den sehr liebenswerten Verkäufern, die man in unseren Läden trifft.

Welchen Service bietet AUDIAMO für (Neu-)Kunden und/oder Autoren?

Für Kunden gibt es eine Bonuskarte. Wer häufig bei uns einkauft, profitiert dann entsprechend. Für Autoren bieten wir im eigentlichen Sinne keinen besonderen Service. Indirekt aber vielleicht schon: Indem wir auch Stoffe von Autoren ins Sortiment nehmen, die weniger bekannt sind. Wir fördern sie auf diese Weise ein wenig, aber das ist wie gesagt kein eigentlicher Service, sondern einfach unsere Grundeinstellung. Es gibt viele gute Autoren da draußen, die viel zu oft übersehen beziehungsweise überhört werden. Wir bemühen uns, genauer hinzuhören als andere.

Welche Entwicklungen auf dem Buchmarkt beziehungsweise Hörbuchmarkt / im Literaturbetrieb beschäftigen Sie zurzeit besonders?

Wir beobachten, dass der Markt kaum noch verlässlich prognostiziert werden kann. Der Buchhandel ist insgesamt im Umbruch, und es gibt neue Absatzkanäle, die nicht für jedes Medium oder Thema passen. Früher konnten die Verlage aus ihren Erfahrungen mit den Vertriebskosten, den Buchhandelsrabatten und dem Erfolg der entsprechenden Buchvorlage einigermaßen genau berechnen, welche Einnahmen ein Projekt erwarten lässt. Das ist heute anders. Das Risiko ist größer. Also werden die Kosten niedrig gehalten, zum Beispiel dadurch, dass eher preiswerte Lesungen in Auftrag gegeben werden und seltener Hörspiele, die aufwändiger und damit teurer wären. Aus Sicht der Verlage ist das verständlich, aus Sicht der Hörer aber schade, weil das Hörspiel dadurch noch weiter an Bedeutung verlieren könnte. Eine weitere Folge der Unsicherheit im Buch- und Hörbuchmarkt ist, dass viele Verlage auf vermeintlich sichere Stoffe setzen. Vereinfacht gesagt: Wenn alle gerade „Shades of Grey“ lesen oder hören, schieben die Verlage lieber so lange immer wieder ähnliche Stoffe nach, wie der Trend anhält. Experimente mit anderen Stoffen sind dann eher nicht gewünscht. Auch das ist nicht böse gemeint. So, wie die Menschen verschieden sind, sind auch die Verlage verschieden. Nicht jeder Mensch geht gerne Risiken ein, und auch nicht jeder Verlag.

Was macht AUDIAMO als nächstes?

Wir sind auf der Leipziger Buchmesse als Sponsor eines Gemeinschaftsstands kleiner und großer Hörbuchverlage. Kommt gerne vorbei. März ist ja nicht mehr lange hin. Wir freuen uns auf Euch!

Und zum Schluss noch drei Worte, die AUDIAMO ausmachen.

Ich. Liebe. Töne.


Nun sind wir auch leider schon am Ende angelangt. An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich für dieses nette Interview bedanken. Wir, die Leser beziehungsweise Hörer, wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft und auch weiterhin viel Erfolg!


Wer Zeit hat und zufällig auch noch in Berlin und Umgebung wohnt, der sollte sich wirklich mal die Zeit nehmen und im Laden von "Audiamo" vorbeischauen ;)




Adresse
Audiamo
Florastraße 64,
13187 Berlin

Anfahrt
Nur wenige Gehminuten vom S+U-Bhf Pankow entfernt. Alternativ Bus M27 (Florastraße).

Öffnungszeiten
MO – FR: 11 – 20 Uhr
SA: 11 – 18 Uhr

http://www.audiamo.berlin/

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